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„Die Politik darf nicht nur von einer Legislaturperiode zur nächsten denken“

von Redaktion Thüringen / Webredaktion alle LVs

Gut Leben in Deutschland.

Erfurt. Zwei Vertreterinnen des Landesverbandes Kinderreicher Familien aus Thüringen am Bürgerdialog am 19. Juni in den Räumlichkeiten der Konrad Adenauer Stiftung teil und machten sich für eine Verbesserte Politik für Familien mit zwei und mehr Kindern stark.

 

Beitrag zur Veranstaltung - veröffentlicht auf der Seite der KAS-Erfurt.

Der Bürgerdialog im Politischen Bildungsforum Erfurt

Im April gab die Bundesregierung den Startschuss für den bundesweiten Bürgerdialog „Gut leben in Deutschland. Was uns wichtig ist“. Darin riefen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Vize-Kanzler Sigmar Gabriel die Bevölkerung zu Diskussion und Beteiligung auf. Im einzigen Bürgerdialog Thüringens kamen am 19. Juni interessierte Bürgerinnen und Bürger zusammen.

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Beim Bürgerdialog

Beim Bürgerdialog "Gut leben in Deutschland - was uns wichtig ist" kamen Bürgerinnen und Bürger aus verschiedenen Lebensbereichen zusammen, um über das Thema Lebensqualität in Deutschland zu diskutieren.

Bürgerliche Mitarbeit am neuen Aktionsplan der Bundesregierung

„Vielen Dank, dass Sie uns etwas von Ihrer Zeit schenken“, so begrüßte die Landesbeauftragte der Konrad-Adenauer-Stiftung Maja Eib die 16 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die – bereits mit drei Stichwortkärtchen zur Frage ‚Was ist mir persönlich wichtig im Leben?‘ ausgestattet – gespannt zuhörten. Moderator Rico Chmelik ermunterte die Runde, in den kommenden drei Stunden offen Themen aus allen Lebensbereichen zu diskutieren. Die Schwerpunkte und der Verlauf der Diskussion werden dann an die Bundesregierung weitergeleitet und dienen ihr als Arbeitsgrundlage für einen neuen Aktionsplan 2016, so Chmelik. Um eine möglichst hohe Beteiligung der Einzelnen zu gewährleisten, hat sich das Politische Bildungsforum Thüringen der KAS für die sogenannte Metaplanmethode entschieden, in welcher mittels Gruppen- und Pinnwandarbeit ergebnisoffen Stichworte besprochen werden.

Familie und Bildung im Fokus

Im ersten Schritt trat jeder einzeln nach vorn und stellte sich mit seinen Themen vor. Dabei wurde erwartungsgemäß deutlich, wie stark die eigene Lebenssituation die Themensetzung prägt. „Es kann nicht sein, dass 25 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer Lohnunterschiede bestehen“, sagte eine Teilnehmerin mit Blick auf die Verdienstunterschiede zwischen Männern und Frauen sowie dem Lohngefälle zwischen Ost und West. Junge Teilnehmerinnen skizzierten die Hürde zwischen Berufseinstieg und Familiengründung. Eine Teilnehmerin machte zudem auf die schwierige Lage der Hebammen in Deutschland aufmerksam. Da einige Frauen in der Runde Mutter von ein bis zu fünf Kindern waren, nannten sie die Stärkung von Familien und die Verbesserung von kindlicher Bildung als Kernthemen. Ebenso wurde im späteren Verlauf die Wohnungsnot kinderreicher Familien angesprochen.

Integration und Sicherheit als weitere Kernthemen

Auch die Männer betonten die Wichtigkeit des Themas ‚Familie‘. „Ich denke darüber hinaus, dass der Familienbegriff neu definiert werden muss. Alleinerziehende, Patchwork- und Regenbogenfamilien müssen ebenso mitgedacht werden", so ein Teilnehmer, der aus Leipzig angereist war und dessen Vorstoß später noch zu Diskussionen führen sollte. Andere Teilnehmer sahen Handlungsbedarf im gesellschaftlichen Miteinander: Dies umfasste sowohl das Thema ‚Ehrenamt‘ als auch den Umgang mit Einwanderern. In der Runde war auch ein Teilnehmer mit Migrationshintergrund, der den Wunsch nach Frieden und den Schutz vor Radikalisierung zu seinen Kernthemen zählte. Schließlich machten sich die Bürgerinnen und Bürger auch das Spannungsverhältnis zwischen Sicherheit und Freiheit bewusst.

Themen weiterdenken und verantwortungsvolle, längerfristige Politik machen

Ein Anliegen des Erfurter Bürgerdialoges war es, die genannten Themen nicht nur oberflächlich abzuhandeln. Also fanden sich die Beteiligten in fünf Gruppen zusammen, um in weiteren Schritten miteinander ins Gespräch zu kommen. Zwischendurch wurden die Ergebnisse im Plenum zusammengetragen. Von Politikverdrossenheit war in dieser Runde nichts zu spüren: Strukturiert und analytisch machten sie konkrete Handlungsvorschläge für die Bundesregierung. Dazu gehörten, um nur einige zu nennen: die Aufwertung sozialer Berufe, die Anerkennung der Kinderbetreuung als wichtige Leistung, Schaffung dezentralen Wohnraums für Flüchtlinge als Verantwortung der Kommunen sowie des Bundes oder die Prüfung atypischer Erwerbsformen (z.B. Home Office oder Jobsharing) auf Umsetzbarkeit.

Verschiedene Menschen, unterschiedliche Meinungen

Respektvoll gingen die Bürgerinnen und Bürger auch bei Streithemen, die sich aufgrund der verschiedenen Lebenssphären notwendigerweise ergaben, miteinander um. So führte vor allem die Diskussion um den Familienbegriff zu reger Auseinandersetzung. So gab es einerseits die Haltung der gesellschaftlichen Realität – nämlich, dass sich das Spektrum der Familienformen erweitert hat (vgl. Publikation der Konrad-Adenauer-Stiftung zu Familienleitbildern in Deutschland, Hg. v. Christine Henry-Huthmacher 2014, S. 6) – Rechnung zu tragen oder andererseits die Ansicht weiterhin primär den Fokus auf das tradierte Familienkonzept zu richten.

Rush Hour des Lebens und Wunsch zur Wiederholung

In zusammenfassender Betrachtung machten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer deutlich, dass sie immer mehr das Lebensgefühl von Hektik und fehlender Zeit präge und sie dies massiv störe. Zugleich aber wünschten sie, den Bürgerdialog in dieser oder ähnlicher Form zu wiederholen. Dann gerne, so die Runde, unter einem festen Thema.

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