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FAKT IST! - Traditionelles Familienbild oder moderne Partnerschaft?

von Redaktion Thüringen / Webredaktion alle LVs

„Wer holt die Kinder? – Wie gerecht ist Partnerschaft heute?“

Erfurt. Neben Gästen aus dem Publikum diskutierten Nicole Höchst, AfD Bundestagsabgeordnete, Mitglied im Familienausschuss; Georg Teichert, Gleichstellungsbeauftragter der Uni Leipzig, Vorsitzender im Kinder- und Familienbeirat der Stadt Leipzig; Bernd Mitsch, Erzieher und Leiter einer Kindertagesstätte in Stendal und Heike Taubert, Finanzministerin in Thüringen, Mutter von zwei erwachsenen Kindern.

Berichterstattung des mdr zur Sendung

Die Frau kümmert sich um die Kinder, der Mann geht arbeiten. Das war einmal. Heute teilen sich viele Partner selbstverständlich die Aufgaben. Doch wie steht es um eine gerechte Rollenverteilung? Darum ging es in "Fakt ist!".

Wie unterschiedlich Familienmodelle heute aussehen können, zeigten zwei Paare im Publikum. Die ehemalige Radrennfahrerin Vera Hohlfeld erzählte, wie sie sich mit ihrem Mann selbstverständlich die Erziehungsarbeit teilt. Er bringe die Kleine jeden Früh hin, sie hole sie ab - das funktioniere. "Es gibt lange nicht mehr die klassische Vorstellung von früher", sagte die Sportlerin. "Frauen können viel bewegen."

Die gelernte Krankenschwester Susan Peter wiederum entschied sich dagegen dafür, ganz für ihre Kinder da zu sein. Die sechsfache Mutter fühle sich daheim voll ausgelastet. Nur die Wertschätzung für ihren Weg komme ihr zu kurz. "Es ist allgemein üblich, Arbeit und Beruf unter einen Hut zu bringen". Sie kenne viele Beispiele, wo es nicht gelänge. Sie halte ihrem Mann den Rücken frei - auch das funktioniere.

Für die Wahlfreiheit

Eine Frau, Nicole Höchst, AfD Bundestagsabgeordnete, schaut lächelnd in die Kamera.
Nicole Höchst Bildrechte: Nicole Höchst

Mit Finanzministerin Heike Taubert (SPD), selbst zweifache Mutter, und der AfD-Bundestagsabgeordneten Nicole Höchst, alleinerziehende Mutter von vier Kindern, trafen in der Sendung auch Politikerinnen mit vermeintlich kontroversen Rollenbildern aufeinander. Beide sprachen sich dann aber deutlich dafür aus, selbst entscheiden zu können. Auch Höchst. Die AfD sei für die Wahlfreiheit, sagte sie. Ihr Problem sei die familien- und kinderfeindliche Gesellschaft. Arbeit daheim werde nicht mehr wertgeschätzt. Sie warf Taubert vor, dass die Politik ihrer Partei heuchlerisch sei. Frauen würden in den Arbeitsmarkt gedrängt, so dass beide arbeiten müssten.

Eine Frau, Heike Taubert, Finanzministerin Thüringen und stellv. Ministerpräsidentin Thüringen, schaut lächelnd in die Kamera.
Heike Taubert Bildrechte: Delf Zeh

Taubert widersprach. Es sei nicht richtig, dass die SPD ein bestimmtes Rollenbild habe. Allerdings wehre sie sich dagegen, dass gesagt werde, eine(r) müsse daheim bleiben. Thüringens stellvertretende Ministerpräsidentin lebt selbst das Familienmodell ihrer Eltern. Die Mutter studierte damals, da musste der Mann einspringen, erzählte die Ingenieurin in der Sendung. Wenig überraschend: Taubert verteidigte die Abschaffung des Landeselterngeldes und die Einführung des beitragsfreien Kita-Jahres.

Das traditionelle Familienbild

Studiogast Georg Teichert ist Gleichstellungsbeauftragter an der Uni Leipzig. Als Mann gehört er damit einer seltenen Spezies an. Nach wie vor herrsche vor allem in den alten Ländern, aber auch im Osten das traditionelle Familienbild vor. "Darauf muss die Politik eine Antwort finden", sagte er. Studien bestätigen das. So kehren die wenigsten Frauen nach dem ersten Kind wieder in Vollzeit zurück - oder anders formuliert: Die Gleichberechtigung zwischen Frau und Mann endet, wenn das erste Kind da ist. Spätestens bei der Rente wird das Thema. Denn Frauen sind wesentlich stärker von Altersarmut bedroht.

Ein junger Mann, Georg Teichert, Gleichstellungsbeauftragter der Uni Leipzig, steht lächelnd vor einem Gemälde.
Georg Teichert Bildrechte: Swen Reichhold

Ein Beispiel für tradierte Rollen sei die Elternzeit für Männer, so Teichert. Zwar entscheiden sich immer mehr Väter für die Zeit mit ihrem Kind. Allerdings seien es bei Männern meist nur zwei Monate. Nehmen sie noch länger eine Auszeit, geraten sie Teichert zufolge in Erklärungsnot - und müssen sich beim Arbeitgeber rechtfertigen. Mehr und längere Elternzeit für Männer findet auch AfD-Politikerin Höchst gut. Bei ihrem Ex-Mann hätte sie sich das gewünscht. Allerdings habe das aus verschiedenen Gründen nicht funktioniert. "Ich würde das begrüßen", sagte sie. Frauen könnten so nicht mehr diskriminiert und benachteiligt werden.

Rollenbilder aufweichen

Bernd Mitsch
Bernd Mitsch Bildrechte: Bernd Mitsch

Bernd Mitsch war der zweite Exot in der Runde. Zwar ist er kein männlicher Gleichstellungsbeauftragter, aber Leiter eines Kindergartens, und als Mann im Erziehungsbereich eher die Ausnahme. In seiner Kita seien meist beide berufstätig. Er selbst blieb beim ersten Sohn zweieinhalb Jahre zu Hause, weil seine Frau beruflich eingebunden war. In dieser Zeit entschied er sich auch dafür, Erzieher zu werden. Meist seien es dann doch aber die Frauen, die daheim blieben.

Oft sind dafür finanzielle Gründe verantwortlich: Frauen landen öfter in schlechter bezahlten, "typischen Frauenberufen" wie in der Pflege oder im Erziehungsbereich. Bis auf die AfD-Politikerin Höchst waren sich die Gäste einig, dass es eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe sei, dies zu ändern. Stereotype austreiben - das gehe bei Mädchen und Jungen im Kindergarten los, so Mitsch. Die Jungen raufen sich, die Mädchen backen und kochen - das müsse nicht sein.

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