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Fakt ist...!

von Redaktion Thüringen / Webredaktion alle LVs

Frank Schenker (Dezernent für Familie, Bildung, Soziales in Jena), Frau Konrad, Dr. Achim Menzel (Moderator), Marigt Jung (fam. polit. Sprecherin Die Linke), Prof. Susanne Viernickel (Berliner Kindheitsforscherin)
Gesprächsrunde

Erfurt. Die familienpolitische Sprecherin der Linke-Fraktion im Thüringer Landtag, Margit Jung, hat sich für einen "Systemwandel" bei der Finanzierung von Kindertagesstätten ausgesprochen. Wenn das Land die Personalkosten für die Einrichtungen voll übernehmen würde, könnten die Kommunen entlastet werden, sagte sie am Montagabend in der MDR-Sendung "Fakt ist…!". Städte und Gemeinden sollten nach diesem Modell nur für Investitions- und Sachkosten zuständig sein. Nach Ansicht des Dezernenten für Familie, Bildung und Soziales der Stadt Jena, Frank Schenker, würde dieses Finanzierungsmodell den Kommunen helfen, die Elternbeiträge zu senken. Damit würden nicht nur Städte und Gemeinden, sondern auch Familien entlastet, sagte Schenker in der Sendung.

Wie werden Familien dafür wertgeschätzt, dass sie ihre Kinder zu Hause betreuen?

Ein Betreuungsplatz in der Krippe aber bei 1037,00 € liegt und wird mit über 700 € durch die öffentliche Hand gefördert.


Gegenwärtig zahlt das Land über den kommunalen Finanzausgleich den Kommunen pauschale Zuweisungen für Kindertagesstätten. Diese sind in der Höhe gestaffelt, aber nicht nach Ausgaben für Personal oder Sachkosten differenziert. Etwa 30 Prozent der Kosten für die Kinderbetreuungseinrichtungen werden über Elternbeiträge aufgebracht.

Schenker sprach sich in der Sendung auch für mehr Personal bei der Betreuung von Kindern bis drei Jahren aus. Hier müsse der Betreuungsschlüssel noch verbessert werden, sagte er. Für die Hochtechnologie- und Wissenschaftsstadt Jena sei ein gutes Angebot an Kita-Plätzen für unter Dreijährige ein wichtiges Argument für die Werbung von Fachkräften. Zugleich müssten Eltern aber die Wahlfreiheit haben, ihre Kinder auch zu Hause zu betreuen. Deshalb sei er für die Beibehaltung des Landeserziehungsgeldes.


Die Landesvorsitzende des Verbandes Kinderreicher Familien, Katrin Konrad, warb in der Debatte für eine Stärkung der häuslichen Betreuung von Kleinkindern. "Wir brauchen mehr Geld für die Mütter, die ihre Kinder zu Hause betreuen", sagte sie. Das würde auch die Kommunen finanziell entlasten.


Die Berliner Kindheitsforscherin Susanne Viernickel forderte eine Stärkung der beruflichen Ausbildung von Erzieherinnen und Erziehern. Durch eine akademische Ausbildung an Hochschulen erfahre der Berufsstand eine gesellschaftliche Aufwertung, die dringend notwendig sei. Zudem sei mehr Personal für die frühkindliche Bildung, Erziehung und Betreuung erforderlich.

Quelle: http://www.mdr.de/thueringen/faktist-kinderbetreuung100.html

 

Dazu passend ein Leserbrief von Frau Karin Heepen aus Erfurt (TA 20.5.2015)

Eine Diskussion über Kindertagesstätten, streikende Erzieher, Betreuungsgeld und Gutverdienende
Zu „Studie bestätigt Kritiker des Betreuungsgeldes“ (TA vom 14. Mai): Selbstverständlich bestätigt die Studie die Kritiker des Betreuungsgeldes – weil eben diese Kritiker die Studie gemacht haben.
Das Betreuungsgeld ist bildungspolitisch produktiv, weil Bildung für ein Kleinkind am produktivsten und gesündesten in der Bindung an vertraute Bezugspersonen passiert und nicht in Kindergruppen in Krippen, die zwar Betreuungs-, aber keine Bildungseinrichtungen sind. Insofern sind die Kleinkinder in ihren Familien nicht bildungsfern, sondern werden gebildet.
Das aber scheint politisch nicht gewollt zu sein. Das Betreuungsgeld ist wirtschaftlich produktiv, weil aus gesunden Kindern stabile Erwachsene und Leistungsträger der Gesellschaft werden.
An diesem Punkt muss die meiner Meinung nach kurzsichtige Argumentation der Wirtschaft verwundern, dass Mütter nur möglichst schnell wieder in den Beruf zurück sollen.
Leider gehen Politik, Wirtschaft und Medien mit ihrer Krippenpropaganda an den Mahnungen der Bindungs-, Trauma- und Stressforschung vorbei. Bildung und Erziehung werden vom Kind her gedacht oder die Kinder leiden Mangel und Überforderung – mit weitreichenden Folgen.

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