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Mitgliedertreffen mit Vorstandswahl auf der ega

von Redaktion Thüringen / Webredaktion alle LVs

Erfurt. Am Samstag, den 20. Juni fand auf der ega in Erfurt unser 2. Mitgliedertreffen in diesem Jahr statt. Neben dem Kennenlernen, Erfahrungsaustausch und dem gemeinsamen Mittag stand die Wahl des Vorstandes und der Delegierten zur Hauptversammlung im Mittelpunkt.

Verband kinderreicher Familien diskutiert auf Erfurter Ega (TLZ 23.6.2015)


Erfurt. Bei einer Rundtour mit dem Egapark-Express fand sich die Familie aus Lichte bei Saalfeld schließlich wieder zusammen. Viele Familien folgten am Samstag einer Einladung des thüringischen Verbandes kinderreicher Familien zum gemeinsamen Spiel und Spaß im Egapark, tauschten sich über all die Freuden, über kleinere und größere Nöte aus. Einige Familien beklagte die kaum noch zu bewältigenden Kosten für die Freie Schule – und wählten schließlich einen neuen Vorstand.  


Katrin Konrad aus Königsee, Mutter von vier Kindern im Alter von 18 Monaten bis knapp 16 Jahre, nimmt erneut die Funktion der Vorsitzenden wahr; ihr zur Seite stehen Donatha Castell und Diana Klein. Während der Mitgliederversammlung des thüringischen Verbandes kinderreicher Familien betreuten Ega-Mitarbeiter die Sprösslinge im Grünen Klassenzimmer oder in der Klimawerkstatt. Mit Bastelarbeiten, die dabei entstanden, kehrten sie in die Arme der Eltern zurück.


Katrin Konrad hatte den Termin für den Ausflug in den Egapark mit Bedacht gewählt, konnte sie doch davon ausgehen, dass sich die meisten Erfurt-Besucher beim Krämerbrückenfest vergnügten, sodass die Familien das Gelände nahezu allein erobern konnten.  


Wer jedoch meinte, dass die Ega am Samstag vom Schreien, Streiten und Kreischen unzähliger Kinderstimmen widerhallte, der musste sich eines Besseren belehren lassen. Eine entspannte Gelassenheit lag über dem zweiten Treffen in diesem Jahr.


Beim Ausflug im Mai bedachten die Verbandsmitglieder übrigens die Leuchtenburg bei Kahla mit ihrem Fair-Family-Preis, denn die dortige Eintrittskarte schließt alle Kinder des Besuchers ein.  
Der Zugang zu Kultur- und Sportstätten bildet regelmäßig Diskussionsstoff unter kinderreichen Familien. Während Donatha Castell den Erfurter Familienpass lobend hervorhob und sich eine ähnliche Lösung für große Städte wie Weimar, Jena und Gera wünscht, sprach sie von sehr unterschiedlicher Handhabung in Egapark und Schwimmbädern, obwohl diese zum gleichen Betrieb, den Erfurter Stadtwerken, gehören. Während die Ega günstigere Bedingungen biete, beinhalte die „Familienkarte“ für Bäder zwei Erwachsene mit einem Kind.


Einheitliche, thüringenweit geltende Lösungen strebt der Verband kinderreicher Familien an. Das betreffe zudem den Geschwisterrabatt in Kitas und Horten (nur auf Landesebene durchsetzbar; ebenso wie die perspektivisch angeregte Azubi-Karte für den öffentlichen Personennahverkehr), oder Gebühren für Musikschulen, wofür die Mitglieder zunehmend die Landräte in den Kreisen für ihre Belange gewinnen wollen, nannte Katrin Konrad einen Punkt aus dem Arbeitsprogramm. Dabei schwebt der Vorsitzenden vor, die Arbeit des Verbandes auf die bisher zu wenig einbezogenen Regionen in Nordthüringen und südlich des Thüringer Waldes auszuweiten.


Angemessener Wohnraum, insbesondere die Größe betreffend, sei ein Dauerbrenner, ließ Thomas Göttlich anklingen. Der Vorsitzende des Fördervereins des Verbandes kinderreicher Familien vereinbarte daher einen Termin mit Vertretern der Wohnungswirtschaft, um hier einen Durchbruch zu erzielen, denn bezahlbare Wohnungen für Familien mit drei und mehr Kindern vor allem in Großkommunen zu finden, sei eines der schwierigsten Probleme. Die Alternative sei, aufs Land zu ziehen wie Familie Konrad, wobei dann wiederum Mobilität gefragt sei.  


Irgendwie müsse ständig ein Kompromiss gefunden werden, ergänzte Katrin Konrad. Das lerne auch schon der Nachwuchs, was allerdings nicht zu dessen Nachteil sei. Weit davon entfernt, nur als Nehmende verschrien zu werden – laut der Verbandsvorsitzenden finanzierten sich 83 Prozent der kinderreichen Familien selbst, ohne staatliche Unterstützung – nehmen sich die Mitglieder auch der Migrationsproblematik an. Nach dem Motto „wo drei oder vier Kinder satt werden, findet ein weiteres Geborgenheit“ gebe es Überlegungen, unbegleitete Flüchtlingskinder aufnehmen zu wollen. Katrin Konrad kennt zudem beispielsweise Familien, deren größere Kinder nicht mehr im Haushalt lebten, die aber Platz für einen Neuankömmling hätten.  


Gespräche in den zuständigen Ministerien sollten so bald als möglich Voraussetzungen und Bedingungen abklären helfen. Aus eigenem Erleben heraus etwas für andere kinderreiche Familien zu bewegen, mögliche Missstände durch Kontakte zu Politikern und Fraktionen zu beheben, betrachtet Katrin Konrad als Motivation, ihre Kraft in den Verband zu investieren. Wenn die übers Internet geknüpften Verbindungen zu den derzeit 1025 Mitgliedern in Thüringen, der hiesige Verband wurde 2012 gegründet, dann zu Begegnungen wie im Egapark führten, sehe sie, wie reich und bunt das Leben der kinderreichen Familien sei. Übrigens wachse jedes sechste Thüringer Kind in einem solchen Umfeld auf.

Heidrun Lehmann, TLZ

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