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Podiumsdiskussion zu Fachkräftemangel

von Redaktion Thüringen / Webredaktion alle LVs

Erfurt. Der Stadtelternbeirat Erfurt (STEB) organisierte gemeinsam mit dem Thüringer Landeselternverband Kindergarten (TLEV-Kita) diese Veranstaltung und gab im Vorfeld Fragen zur Fachkräftesicherung, Inklusion in Einrichtungen und Erhöhung von Leiterstunden in Kindertagesstätten aus.

41 Besuchern (davon zahlreiche Begleiter und Partner der anwesenden Politiker) waren der Einladung zur Podiumsdiskussion in den Festsaal des Rathauses in Erfurt gefolgt. Nur wenige Familien fanden an diesem Abend Zeit und Muse, um das bedeutende Thema mit den Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, CDU, Die Linke, FDP, Piratenpartei und SPD zu diskutieren.

Bei weitem war man sich im Podium nicht einig, ob nun alle Kindergärtnerinnen motivert seien oder nicht. Ein Motivationsdefit sah u.a. Chr. Poloczek-Becher (FDP) und verwies dabei auf das unterschiedliche Niveau in den Einrichtungen. Frau Sandy Kirchner (TLEV-Kita) kannte hingegen keine unmotivierte Erzieherin.

Trotzdem wollten alle Parteien in Zukunft die Motivation der Betreuungskräfte durch eine verbesserte Bezahlung und Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit erhöhen.

Für die Vertreterin der Linken, Frau Stange, stand die Verbesserung der Qualität und Quantität in den Einrichtungen im Vordergrund. Sie forderte eine Drittelfinanzierung durch Bund, Land und Kommunen. Die Infrastruktur solle weiter verbessert werden. Welche Kosten hierfür das Land in den nächsten Jahren aufbringen muss, wurde nicht benannt.

Da wurde Michael Panse (CDU) schon deutlicher. Er bezifferte die Kosten für die Übernahme der Elternbeiträge zur Betreuung der Kinder in Krippe und Kindergarten in Thüringen mit jährlich 60 Mill. Euro, Frau Rothe-Beinlich (Bündnis 90/Die Grünen) sogar mit jährlich 80 Mill. €. Von 200 Mill. € an Elternbeiträgen sprach Herr Geipert (CDU) in der Veranstaltung einen Tag später in Weimar und begründete diese Zahl mit den Elternbeiträgen, die bereits für Eltern mit geringem  Einkommen heute durch die Landkreise übernommen werden.

Zur Finanzierung des ehrgeizigen Projektes die "Kitas" gebührenfrei zu machen solle das Landeserziehungsgeld dienen. So bekräftigten FDP, Die Linke, Piratenpartei, SPD und Die Grünen ihre Absicht, nach der Wahl das Landeserziehungsgeld (LEG) zu streichen. Wie allerdings 18 Mill. € genügen sollen, die wesentlich höheren Ausgaben zu decken, blieb unbeantwortet. Zur Sprache kam auch nicht, dass bereits heute die Landeszuschüsse für Kinder im Alter von 1 - 2 Jahren in Krippen mit 270 € fast doppelt zu hoch liegen, wie die durch das LEG entstehenden Kosten (150 €) für die Betreuung zu Hause.

Frau Bernhardt (Piratenpartei) bekräftigte, dass der Bund sich mehr an der Finanzierung der Kindergärten beteiligen muss. "Insbesondere, dann wenn, wir es schaffen könnten die Betreuungsschlüssel zu verbessern. Das kann nicht mehr alleine von Kommune, Land und Eltern getragen werden." Sie regte bundeseinheitliche Standards für alle Kinderkrippen und -gärten an.

Die von Frau Bernhardt (Piratenpartei) eingelegte Petition zur Gebührenfreiheit in "Kitas", die am 25. August auslief, unterzeichneten 105 Bürgern aus ganz Deutschland. Die geringe Zahl von Unterstützern wurde mit der Überschneidung der Sommerferien in Thüringen begründet. Nach der Landtagswahl solle es erneut eine gemeinsame Aktion von TLEV-Kita, Die Linke, Piratenpartei und SPD geben.

Frau Rothe-Beinlich (Bündnis 90/Die Grünen) machte deutlich, dass die Betreuung der Kinder mit max. 10 Stunden täglich in Thüringen sehr gut sei und der Verweis auf bessere Betreuungsschlüssel in anderen Bundesländern (Frau Bernhard) Äpfel mit Birnen vergleiche.

Immer wieder wurde betont, dass es sich bei den "Kitas" um Bildungseinrichtungen handelt, die entsprechend finanziell und personell ausgestattet sein müssen. Das Bildung und Bindung bereits zu Hause durch die Familie erfolge und bis zum Alter von 2 bis 3 Jahren nicht zwingend in einer Einrichtung durch die öffentliche Hand erfolgen müsse, machten Eltern deutlich und forderten eine Anerkennung ihrer Arbeit, u.a. durch die Beibehaltung des Landeserziehungsgeldes.

Welche besondere Art von Bildung eine Einrichtung für Kinder im Kleinstkindalter anbiete wurde nicht deutlich. Statt dessen wurde auf die "Doppelfinanzierung" von Eltern zu Hause verwiesen (Landeselterngeld und Bundesbetreuungsgeld). Die Doppelfinanzierung von Kindern durch das Land im Alter zwischen 1 und 2 Jahren seit 2010 sprach niemand an.

Abschließend gelang es Moderator Thomas Schmid, dass alle Parteien einmütig bekundeten, dass die Sicherung von genügend motivierten Fachkräften über eine Verbesserung des Einkommens, verbesserte Anerkennung und Wertschätzung ihrer Arbeit und einer besseren (kostenfreie) Ausbildung erfolgen soll. Als Zuhörer musste man schon genau hinhören, um die kleinen feinen Unterschiede herauszuhören, wenn es um die Betreuung der Kinder als Teil der Familie ging.

Als Landesvorsitzende des KRFD/LV Thüringen habe ich alle Parteien aufgefordert nach der Landtagswahl eine Politik für Familien mit mehr als einem Kind zu gestalten und u.a. unsere Forderungen nach einer Änderung der Hortkosten zu veranlassen. Bei den Gebühren von Krippe und Kindergarten sollen Kommunen und Trägern zukünftig alle kindergeldberechtigten Kinder einer Familie berücksichtigen, unabhängig davon, ob die Kinder noch die Einrichtung besuchen oder nicht.

Wahlpolemik? Wieviel wird nach der Landtagswahl bleiben? - Fazit des Veranstalters

7 Wahlprüfsteine (PDF)

Antworten der Parteien auf die Wahlprüfsteine des STEB Erfurt und TLEV-Kita

TA 30.8.2014 Erzieherberuf im Mittelpunkt (PDF)

An der Veranstaltung am 29.8. in Weimar im Mon Ami nahmen neben den sechs Politikern und ihren Begleitpersonen weitere sechs Personen teil. Was bleibt sind viele offene Fragen.

  • Spricht das Thema die Familien nicht an?
  • Was sind wichtigere Themen für Familien, die im Wahlkampf besprochen werden sollten?
  • War es einfach die falsche Uhrzeit?
  • Gab es im Vorfeld der Veranstaltung zuwenig Werbung?
  • Was erwarten Familien von der Landespolitik in den nächsten vier Jahren???

Was kinderreiche Familien bewegt und wo sie eine Verbesserung ihres Alltages erwarten, haben sie in 43 Fragen formuliert und 6 Parteien haben ihre Antwort darauf gegeben. Viel Spaß beim Lesen der Wahlprüfsteine des KRFD!

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