Aktuelles

Vereinbarkeit von Familie und Beruf in Corona-Zeiten - Eltern nicht vor unlösbare Betreuungsaufgaben stellen

von Redaktion Thüringen / Webredaktion alle LVs

Die Kette fliegt vom Ritzel, wenn nicht zwischen den Bedarfen von Familien und dem Wiederhochfahren des Alltags synchronisiert wird

Seit acht Wochen erweisen sich Familien als belastbar und geduldig! Wir funktionieren und geben alles. In der klaren Mehrzahl der Fälle. Es gibt Familien, die ihren Alltag relativ gut an die aktuelle Situation anpassen konnten, weil die Mutter zu Hause ihre ganze Kraft für die Familie einsetzen kann.

Und es gibt Familien, die seit dem 17. März im großen Spagat zwischen Familienarbeit, Beruf - oft im Homeoffice - und Kindern zu Hause, die zum Teil beschult werden müssen, leben und aufgerieben werden.

Es wird für alle eng...

Was uns eint, egal in welcher Familienform- und -größe wir leben:

Jede Form der Mutterschaft lebt von der vertrauten Verbundenheit mit dem Kind.

Dies drückt sich in einer von Liebe getragenen langen zeitlichen und auch finanziellen Verantwortung aus.

Alle Mütter eint die Liebe, Dankbarkeit für und Freude an ihrem Kind/ ihren Kindern. Aber auch die Sorge und Unsicherheit ab dem Moment, da sie wissen, dass sich ein anderer Mensch ganz und gar auf sie verlässt und auf sie angewiesen sein wird. Mütter tun alles, damit es ihren Kindern gut geht.

Aber in der Politik der letzten Wochen wurden und werden die kindlichen Bedürfnisse hinter allem anderen angestellt. Kinder haben keine Lobby.

Auch der Kabinettsbeschluss vom 06.05.2020 lässt Fragen von Eltern offen: zum Beispiel zur Gleichzeitigkeit von Familie und Beruf. Oder: Welche Beachtung finden Mütter und Väter in der Politik, wenn sie "nur" ihre Kinder versorgen?

Die Landespolitik verlagert die Entscheidungen auf die kommunale Ebene, hin zu den Trägern von Schulen und Kindergärten. Dies bringt einen Flickenteppich an Entscheidungen hervor. Dabei wünschen sich Familien klare Ansagen und Verlässlichkeit in und für die weitere Planung der kommenden Tage und Wochen. Die Belastungsgrenze für Mütter und Väter ist erreicht. Ehe jedes Kind einmal in die Schule zum Präsenzunterricht erscheinen wird, vergehen für einige Jahrgänge noch mindestens drei Wochen. Warum sich der Eintritt der Kinder noch weiter hinauszögert und es auch dann keine klaren Vorgaben durch das zuständige Ministerium bei der Absicherung von Betreuungszeit gibt, können Familien nicht nachvollziehen. Die Planungen bis zu den Sommerferien zeigen große Betreuungslücken für Kindergarten- und Grundschulkinder.

Auch die angekündigte Öffnung der Kindergärten, ab dem 18. Mai für Vorschulkinder und ihre Geschwister Betreuung zu ermöglichen, schafft keine Planbarkeit. Der zeitlichen Umfang und die Leistungen der Einrichtungen sind bisher unbekannt.

  • Wird es nur eine stundenweise Betreuung geben?
  • Werden die Kinder ein Mittagessen erhalten?
  • Wie wird die weiter benötigte Betreuungszeit durch Dritte abgedeckt oder müssen dies die Familien selbst leisten?
  • Wann kommen die anderen Jahrgänge wieder in den Kindergarten???

Keine Betreuungsangebote gibt es ab nächster Woche für Grundschulkinder im Hort.

  • Ob und in welcher Form wird es eine Hort-Betreuung in den Sommerferien geben?
  • Wie sollen Eltern diese lange Betreuungszeit absichern, wenn sie berufstätig sind?
  • Überstunden und Urlaub halfen in den ersten Wochen, Großeltern sind tabu. Aber wie soll es jetzt weiter gehen???

Wir wollen an diesem Tag das bunte Bild von Mutter-Sein zeigen und auf diese ungeklärten Fragen und den Zustand der Familien aufmerksam machen!

In den zurückliegenden Jahren hat der Verband kinderreicher Familien immer Pressemitteilungen zum Muttertag veröffentlicht. 2020 gehen wir auf der Straße (und stehen sprichwörtlich im Regen)

Mit unserer ungewöhnlichen Aktion in diesem Jahr haben Mütter und ihre Familien die Chance, sichtbar zu werden und zum Perspektivwechsel aufzurufen! Die Familie als kleinste Einheit der Gesellschaft muss bei Öffnung des Lockdown und der Rückkehr zum Alltag endlich adäquat bedacht werden.

Wir können an diesem Tag die unterschiedlichen Facetten von Mutterschaft im öffentlichen Raum darstellen. Politik, Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft sind aufgefordert, zukünftig besser als bisher Rahmenbedingungen für alle Mütter zu schaffen, ihre Familien- und Lebensmodelle zu verwirklichen, ohne dabei selbst unter die Räder zu kommen.

Als ersten Schritt wünschen wir uns eine Synchronisierung der Bedürfnisse von Familien mit dem Wiederhochfahren des Alltags. Sonst fliegt die Kette vom Ritzel.

In einem zweiten Schritt muss die Anerkennung von Erziehungsleistungen derer folgen, die ihre Kinder zu Hause betreuen. Betreuung und Erziehung sind auch zu Hause wertvolle Arbeit, die jede Gesellschaft braucht.

Zurück