1. jour fixe des AKF in Weimar

Pflege bleibt unsichtbar und ein Randthema, solange direkte persönliche Betroffenheit fehlt

Zum ersten thematischen Austausch trafen sich die im AKF zusammengeschlossenen Mitgliedsverbände am 13. Januar 2026 in den Räumlichkeiten des Verbands kinderreicher Familien in Weimar, um sich dem Thema „Pflege“ zu widmen. Der Verband der Kinderreichen hatte hierzu ein Informationspapier mit Zahlen, Daten, Fakten sowie weiterführenden Fragestellungen vorbereitet.

Obwohl das Thema Pflege für immer größere Teile der Bevölkerung an Bedeutung gewinnt, wird es häufig noch punktuell behandelt und vielfach als Herausforderung „der anderen“ wahrgenommen, auch innerhalb der Verbände. Ein bewusst gesetzter Impuls eröffnete einen neuen Zugang: Die Teilnehmer wurden gebeten, ihr eigenes Alter in einem zukünftigen Szenario (Wie alt bin ich im Jahr 2040?) zu reflektieren, in dem ein Drittel der Thüringer Bevölkerung über 65 Jahre alt sein wird. Dieses Gedankenspiel führte zu einem Perspektivwechsel und machte deutlich, wie dringend Fragen zur Ausgestaltung und zum Umgang mit Pflege in den Fokus rücken sollten.

Der Blick in die Zukunft veränderte die Wahrnehmung möglicher Handlungsbedarfe. Konkrete Überlegungen zu potenziellen Pflegebedarfen führten schnell zu einem intensiven Austausch unter den Teilnehmern. Vorsorge und Prävention wurden dabei nicht als abstrakte Begriffe, sondern als zentrale Schlüssel verstanden, um den Herausforderungen einer alternden Gesellschaft zu begegnen und ein möglichst selbstbestimmtes Leben auch im Unterstützungsfall zu sichern.

Es wurde deutlich, dass die Möglichkeiten zur Bewältigung von Pflege stark von der Eigenwirksamkeit, dem sozialen Umfeld sowie von vorhandenen, strukturell geförderten Unterstützungsangeboten abhängen.

Die Ursachen für Pflegebedarfe sind klar benennbar: Unfall, Erkrankung und Alter. Insbesondere altersbedingte Pflege kann durch Prävention, den Aufbau tragfähiger sozialer Netzwerke und ein frühzeitiges Bewusstsein gut vorbereitet werden. Hier besteht ein bislang unzureichend genutztes Potenzial, insbesondere mit Blick auf die Ansprache jüngerer Zielgruppen.

In den meisten Familien im Freistaat besteht kein Pflegebedarf von Geburt an. Familien, die jedoch betroffen sind, leisten häufig über viele Jahre oder Jahrzehnte hinweg intensive Pflegearbeit. Diese langfristige Belastung wirkt sich nicht selten negativ auf die eigene Gesundheit aus. Gleichzeitig sind Entlastungsangebote für pflegende Angehörige vielfach unzureichend, was die Situation zusätzlich verschärft.

Mit seinem Input und der Darstellung bestehender Pflegestrukturen hat der Verband kinderreicher Familien das Thema aus der Perspektive praktischer Verbandsarbeit heraus für die teilnehmenden Mitgliedsverbände greifbar gemacht. Eine vertiefte Auseinandersetzung sowie eine stärkere Schwerpunktsetzung innerhalb des Arbeitskreises Thüringer Familienorganisationen erscheinen daher sinnvoll und notwendig.

Der Verband kinderreicher Familien sieht sich weiterhin in der Verantwortung, die Themen Pflege, familiäre Pflegeleistungen, Unterstützungsangebote sowie die Zusammenarbeit mit Pflegeorganisationen innerhalb des AKF aktiv zu begleiten und weiterzuentwickeln. Gleichzeitig sind die Mitgliedsverbände eingeladen, sich über ihre jeweiligen Netzwerke intensiver einzubringen und konkrete Entlastungsansätze für Familien zu initiieren.

Fazit

  • Pflegende Familien benötigen mehr Sichtbarkeit sowie verlässliche und wirksame Entlastungsstrukturen.
  • Pflege, Prävention und Selbstfürsorge sind lebenslange Themen und sollten entsprechend stärker gesellschaftlich verankert werden.
  • Im AKF zusammengeschlossenen Verbände haben zentrale Fragestellungen angerissen; deren vertiefte Bearbeitung liegt nun bei den einzelnen Mitgliedsverbänden.

Solange Pflege nicht unmittelbar im eigenen familiären Umfeld erlebt wird, bleibt sie jedoch für viele Menschen und auch für die verbandliche Arbeit ein Randthema.

Der Verband kinderreicher Familien bedankt sich für den konstruktiven Austausch und die gemeinsame Auseinandersetzung mit diesem wichtigen Zukunftsthema.

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